Ständig erschöpft und krank? Vielleicht leiden Sie an HPU…

Die HPU ist eine häufige, aber wenig bekannte Stoffwechselstörung. Schätzungsweise 10% der Frauen und 1% der Männer sind davon betroffen. Die Häufigkeit unter chronisch Erkrankten ist deutlich höher. Bei Personen, die psychotherapeutische Beratung in Anspruch nehmen, sind es vermutlich fast die Hälfte.

Betroffen ist insbesondere die Entgiftungs- und Leistungsfähigkeit des Organismus.

Unbehandelt können daraus viele verschiedene und unterschiedlich stark ausgeprägte Symptome entstehen:

Magen-Darm-Probleme (u.a. Reizdarm, Histaminintoleranz, Fructoseintoleranz), Burn-out, Allergien, Hautprobleme, gynäkologische Themen wie Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und Menstruation, Migräne, Schilddrüsenprobleme, Angst- & Panikattacken, Depressionen sowie Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten (ADS/ADHS bei Kindern) sind häufige Krankheitsbilder. Auch eine erhöhte Sensibilität gegenüber Medikamenten, Lärm, Licht, Toxinen oder Gerüchen ist charakteristisch für die HPU. Stress in jeglicher Form wird schlecht vertragen.

Die Ursache für diese weitreichenden gesundheitlichen Probleme ist ein Enzymdefekt. Dieser führt zum Verlust wichtiger Mikronährstoffe. Insbesondere Vitamin B6, Zink und Mangan sind betroffen. Chronische Stress- und Belastungssituationen erhöhen die Ausscheidung zusätzlich. Der Mangel kann über die Ernährung nicht ausgeglichen werden und verstärkt sich über die Zeit. In jungen Jahren bleibt HPU daher meistens symptomlos. Später zeigen sich schleichende und chronische Krankheitsverläufe.

HPU ist verhältnismäßig einfach zu therapieren. Dennoch bleibt sie in vielen Fällen unentdeckt und unbehandelt. Die Symptome sind zu unspezifisch und können Ausprägungen vieler anderer Krankheitsbilder sein. Darüber hinaus findet die HPU in der medizinischen Fachwelt wenig Beachtung und ist dadurch kaum Bestandteil diagnostischer Methoden. Gängige Laboruntersuchungen bleiben oftmals ohne nennenswerten Befund. Dadurch werden Personen mit HPU schnell als Hypochonder abgetan. Für Betroffene ist das häufig der Beginn eines langen Leidensweges ohne Aussicht auf Besserung.

Wofür steht HPU?

HPU steht für Hämopyrrollaktamurie. Übersetzt bedeutet der Begriff: Abbauprodukte des Hämstoffwechsels werden verborgen über den Urin ausgeschieden.

AUSWIRKUNGEN AUF DEN KÖRPER

Häm ist ein wichtiges Molekül, das fast überall im Körper benötigt wird. Der bekannteste Vertreter ist der rote Blutfarbstoff Hämoglobin. Jede gesunde Zelle kann Häm in 8 enzymatischen Schritten herstellen. Bei der HPU arbeiten 3-4 dieser 8 Enzyme nicht richtig.

Das führt dazu, dass Häm teilweise fehlerhaft gebildet wird. Dadurch wird es für den Körper nicht nur unbrauchbar, sondern verursacht Schäden, wenn es nicht entsorgt wird. Die Entsorgung erfolgt über den Urin unter Verwendung der Mikronährstoffe Zink, Vitamin B6 und Mangan. Dadurch entsteht ein großer Mangel an diesen Vitalstoffen und eine Beeinträchtigung für alle körperlichen Vorgänge, an denen sie beteiligt sind. Um das Ausmaß dieses Defizits zu verdeutlichen: allein das Spurenelement Zink ist essentieller Cofaktor für über 3oo Stoffwechselprozesse.

Folgen der HPU

HPU ist selbst keine Krankheit. Der Häm- und Nährstoffmangel bereiten jedoch langfristig Probleme. Extreme Belastungssituation im Job, Umzug, Krankheit oder Verlust eines nahen Angehörigen, Scheidung, akute Krankheiten/Infektionen oder hormonelle Veränderungen (Pubertät, Schwangerschaft, Menopause) erhöhen die Ausscheidung der betroffenen Vitamine und Spurenelemente zusätzlich und können wahre Vitalstoffkrisen auslösen, von denen sich Betroffene nicht mehr richtig erholen.

Die Folgen des Hämmangels sind u.a.:

  • Blutarmut
  • Energiedefizit
  • Entgiftungsstörung
  • Mangel des Sauerstofftransport in Blut und Muskulatur sowie
  • Metabolische Krisen

Die Folgen des Nährstoffmangels sind u.a.:

  • Blutzuckerspiegel | Fructoseintoleranz
  • Darmprobleme
  • Gelenkprobleme
  • Muskelschwäche
  • Allergien
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Herabgesetzte Entgiftungsfähigkeit
  • Immunschwäche
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Herz- Gefässerkrankungen
  • Störungen bei: Menstruation, Schwangerschaft (Unfruchtbarkeit | häufige Fehlgeburten), Geburt
  • Erschöpfung
  • Histaminintoleranz (Übelkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen etc.)
  • Nebennierenschwäche
  • Autoimmunerkrankungen (Hashimoto | primäre biliäre Zirrhose)

HPU erkennen

Die HPU zeigt sich an unspezifischen Symptomen, die mehr oder weniger ausgeprägt sein können. Die Schwere der Symptomatik ist abhängig vom Stresslevel und Lebensstil der betroffenen Person.

Eine Kombination der nachfolgenden Anzeichen ist typisch für Menschen mit HPU.

Körperliche Anzeichen:

  • Überstreckbare Gelenke
  • Blasses Gesicht
  • Geschwollene Wangen (Puppengesicht)
  • Blasse Lippen
  • Muskelschwäche (Mühe an einem Seil hochzuklettern)
  • Weiße Flecken auf den Fingernägeln
  • Engstehende Vorderzähne
  • Schwangerschaftsstreifen
  • Häufiges Auftreten blauer Flecken

Sonstige ANZEICHEN:

  • Müdigkeit/leicht erschöpfbar mit gleichzeitiger Unruhe/Überaktivität/sich getrieben fühlen
  • Mangelnde Konzentration (ADHS bei Kindern)
  • Allergien, Heuschnupfen
  • Medikamentenunverträglichkeit
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Gerüchen, Geräuschen, Stress, Emotionen
  • Kopfschmerzen/Migräne
  • Ängstlichkeit, Depressionen, Panikattaken (Mangel an Serotonin verursacht durch Mangel an Vitamin B6 und Zink – Serotonin ist auch wichtig für ein Sättigungsgefühl, Kontrolle von Impulsen)
  • Wiederholte Blasenentzündungen
  • Magen-Darm-Beschwerden, morgendliche Übelkeit

Wesenszüge:

  • perfektionistisch
  • zwanghaft
  • ordnungsliebend
  • Ungeduldig
  • leidenschaftlich
  • Verstehen komplexer Zusammenhänge | logisches Denken
  • Deuten zwischenmenschlicher Beziehungen
  • ängstlich
  • Bestreben nach Harmonie

Sie überlegen, ob Sie oder eine Ihnen nahe stehende Person betroffen sein könnten? Lassen Sie Ihre persönliche Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der HPU anhand eines kostenlosen Online-Fragebogens der KEAC ermitteln. Die KEAC ist ein niederländisches Forschungsinstitut und Allergiezentrum, das unter der Leitung ihres Gründers Herrn Dr. J. Kamsteeg richtungsweisend zum Thema HPU forscht.

Ist HPU das gleiche wie KPU?

Nein. Die Bezeichnung „KPU“ wird fälschlicherweise häufig synonym für „HPU“ verwendet.

HPU und KPU sind beides Stoffwechselstörungen, die bewirken, dass gewisse Verbindungen – sog. Pyrrole – über den Urin ausgeschieden werden.

Die HPU ist allerdings eine genetisch bedingte Stoffwechselstörung. Die KPU hingegen eine Störung, die auch nach der Einnahme bestimmter Medikamente oder toxischer Belastung auftreten kann.

Die Testverfahren auf KPU und HPU überschneiden sich teilweise. Die Aussagekraft weicht jedoch erheblich voneinander ab. Denn ein positiv oder negatives KPU-Test-Ergebnis lässt keinerlei Rückschlüsse auf eine mögliche HPU zu. Weitere Informationen finden Sie hier.

Der Test auf KPU wird in vielen deutschen Laboren durchgeführt. Der Test auf HPU wird ausschließlich von der KEAC in den Niederlanden angeboten.

Wie kann HPU diagnostiziert werden?

Die Stoffwechselstörung HPU kann mithilfe eines Urintests nachgewiesen werden. Der HPU-Test wird ausschließlich vom KEAC Institut in den Niederlanden angeboten.

Erwachsenen wird ein 24-Stunden Urintest empfohlen. Bei Kindern ist die Testung des Morgenurins meistens ausreichend. Das Testset kann online bei der KEAC oder bei spezialisierten HPU-Therapeuten bezogen werden. Die Tests sind einfach von zu Hause durchführbar und benötigen keine ärztliche Betreuung.

Vorab kann das Ausfüllen des oben bereits erwähnten Online-Fragebogens einen groben Anhaltspunkt darüber geben, ob HPU vorliegen könnte und die Durchführung eines Testes sinnvoll ist.

Therapie

Nährstoffe ergänzen

Die Therapie der HPU besteht im Wesentlichen aus der Einnahme fehlender Nährstoffe. Betroffen sind unmittelbar die aktive Form des Vitamin B6 (P5P), Zink, Mangan und häufig Magnesium. Da diese Vitalstoffe selbst an unzähligen Stoffwechselprozessen beteiligt sind, führt ein Mangel mittelbar zu weiteren Nährstoffdefiziten die individuell ermittelt und ausgeglichen werden müssen.

Darüber hinaus müssen sekundäre Beschwerden, die aus der Störung des Nährstoffgleichgewichtes entstanden sind, behoben werden.

Hier steht u.a. die Harmonisierung des Histaminspiegels (Histaminintoleranz) im Fokus.

Zusätzlich ist der Darm bei den meisten HPU Patienten in keiner guten Verfassung. Nährstoffpräparate können anfänglich nur schlecht aufgenommen werden. Eine Darmsanierung ist daher unerlässlich.

Entgiftung

HPU Betroffene können schlechter entgiften. Ein Ausgleich fehlender Mikronährstoffe trägt zur Verbesserung der Entgiftungsfähigkeit bei. Wie viele weitere Maßnahmen darüber hinaus notwendig sind, hängt von Faktoren wie beispielsweise dem Alter, Lebensstil (u.a. Ernährung) oder dem Ausmaß der bisherigen Giftexposition (Medikamente, Verhütungsmethoden, Umwelt, Schwermetalle etc.) ab. In der Regel beschleunigen zusätzliche Entgiftungsmaßnahmen die Wiederherstellung des körperlichen Gleichgewichts.

Ernährung

Allein durch die Ernährung kann das direkt und indirekt durch die HPU entstehende Nährstoffdefizit von Vitamin B6, Zink und Mangan nicht ausgeglichen werden. Dennoch ist die Ernährung ein wichtiger und nicht zu vernachlässigender Baustein der Therapie.

Histaminitoleranz

Durch den Mangel an Zink ist der Kupferspiegel nicht in der Balance. Kupfer ist ein Cofaktor des Histamin abbauenden Enzyms Diaminoxidase. Menschen mit HPU leiden daher häufig unter einer Histaminintoleranz. Eine histaminarme Diät reduziert Beschwerden und Entzündungen bis der Histaminspiegel sich im Rahmen der HPU Therapie reguliert hat.

Allergien & Glutenunverträglich

In Folge des Manganmangels ist der Darm durchlässiger und die Anzahl der Antikörper (IgA) vermindert. Dies begünstigt die Entstehung von Allergien und Unverträglichkeiten. Gluten bzw. das darin enthaltene Gliadin wird nicht gut vertragen. Es schädigt die ohnehin angegriffene Darmschleimhaut.

Blutzuckerspiegel

HPU geht mit stark schwankenden Blutzuckerspiegeln einher. Diese müssen über die Ernährung stabilisiert und langfristig durch fehlende Nährstoffe wie beispielsweise Glutathion, Chrom und Magnesium verhindert werden.

Entstressung

HPU ist stressinduziert und damit abhängig vom Stresslevel! Die Reduzierung von Stress sollte somit ein zentraler Baustein der Therapie darstellen. Ein Aspekt der in der Praxis häufig nicht genug Beachtung findet. Wichtig ist die Erlernung eines achtsamen Umgangs mit Belastungssituationen und Stressbewältigungstechniken wie Yoga, Meditation etc. Auch Sport ist hilfreich und kann – soweit moderat durchgeführt – zum Ausgleich beitragen.

Manche HPU Betroffene sind außerdem elektrosensibel. Die Befreiung des Schlafraums von Elektrosmog durch Zeitschaltuhren für W-LAN, batteriebetriebene Wecker, entsprechende Wandfarben tragen ebenfalls zur Entstressung bei.

Therapiedauer

Schon wenige Monate nach Beginn der Therapie können oftmals erste Verbesserungen wahrgenommen werden. Die Therapiedauer hängt von der Schwere der Enzymstörung und dem Zeitpunkt der Diagnose ab. Kinder erholen sich manchmal bereits nach wenigen Wochen. Bei Erwachsenen muss man mit durchschnittlich 1 Jahr rechnen, bevor sich der Organismus wieder stabilisiert hat.

Voraussetzung für eine rasche Genesung ist ein umfassender & individueller Behandlungsansatz sowie die Bereitschaft des Patienten die neue Situation anzunehmen und mit ihr zu arbeiten.

Quellen:

HPU und dann? | Dr. J. Kamsteeg

Stoffwechselstörung HPU | Dr. Tina Maria Ritter und Dr. Liutgard Baumeister-Jesch

Kryptopyrrolurie | Kyra Hoffmann und Sascha Kauffmann